(Fast) Perfekte Rips mit EAC
Wie schon in seinem eigenen Thread erwähnt, ist EAC der beste AudioCDRipper, der zur Zeit auf dem Markt ist und er bietet sehr viele Möglichkeiten. Anfänger werden die einfache Integration von aktuellen Audiocodecs wie LAME sicher zu schätzen wissen, doch wer sich näher mit dem Thema beschäftigt, wird feststellen, dass die von EAC und LAME erstellten MP3s nicht optimal sind. So fiel mir auf, dass bei der Einstellung "Variable Bitrate 192 kbit/s" Bitraten unter 192 kbit/s nicht verwendet wurden. Dabei wäre es doch sinnvoller, wenn 192 kbit/s die durchschnittliche Bitrate wäre und der volle Bereich an Bitraten ausgeschöpft würde (32-320 kbit/s). Dieses Tutorial soll die optimalen Einstellmöglichkeiten für die verschiedenen Codecs beschreiben.
Immer bedenken: Profile sind deine Freunde. Verwende für jeden Codec und seine verschiedenen (gewünschten) Einstellungen ein eigenes Profil, am besten sogar Komplette Profile, die Ordner- und Dateinameneinstellungen beinhalten.
Globale Einstellungen
Ich werde an dieser Stelle nicht auf jedes Detail in den allgemeinen Einstellungen eingehen, besonders da die Optionen gut erklärt werden (einfach mal die Maus ein wenig auf dem zu erklärenden Feld lassen), sondern auf die nicht so offensichtlichen oder "kniffigen". Außerdem variieren diese Einstellungen von System zu System und von Userwunsch zu Userwunsch.
Bei den EAC- Einstellungen empfehle ich im Feld "Dateinamen" das Namensschema "%D - %C\%N. %T" (ohne Anführungsstriche... wie immer), als alternatives "Verschiedene Künstler" Schema "%C\%N. %A - %T". Dies führt zu Konstruktionen wie "Die Ärzte - Die Bestie In Menschengestalt\02. Schrei Nach Liebe.mp3" für CDs mit gleichem Künstler bei jedem Lied und "Hands Up '96 CD1\07. Culture Beat - Mr. Vain.ogg" für CDs mit mehreren Künstlern.
1. Codec: MP3
Bei mir ist MP3 eigentlich nur für meinen MP3Player gedacht, der sowieso nicht die allerbeste Klangqualität hat, und bei den meisten Leuten kommen dann noch Ohrstöpsel mit unsäglicher Qualität hinzu. Für den Rechner nehme ich Vorbis mit Einstellungen für bessere Qualität (und natürlich größere Datei). Deshalb sollten die von mir beschriebenen Einstellungen für MP3 für die meisten reichen. Ich empfehle den VBR- Modus, der beste Qualität bei kleinster Dateigröße ermöglicht. Wenn euer Player kein VBR unterstützt, tauscht ihn um.
Bei den EAC- EInstellungen habe ich hier als Ordner "C:\Lieder\MP3s\" angegeben, hier ist natürlich die Vorliebe des jeweils rippenden Nutzers gefragt. Doch nun zum interessanten Teil: Den Kompressionseinstellungen.
Natürlich wählen wir ein externes Programm für die Kompression. Das Parameterübergabeschema ist "Benutzerdefinierter Komprimierer" mit der Dateinamenerweiterung ".mp3". Wählt als Programm zur Kompression eure "lame.exe" aus. Warum nicht "Lame MP3 Komprimierer" als Parameterübergabeschema verwendet wird, habe ich ja bereits eingangs geschrieben.
Meine zusätzlichen Kommandozeilenoptionen sind
Code:
-V 6 --vbr-new --id3v2-only --pad-id3v2 --ta "%a" --tt "%t" --tl "%g" --ty "%y" --tn "%n" %s %d
Ich werde die Parameter mal auseinandernehmen und erklären. -V6 gibt die VBR- QUalität an, die im Endeffekt verwendet wird (mit -V 6 encodete Dateien werden meistens eine Durchschnittsbitrate von 128 kbit/s haben, abhängig vom Musiktyp). --vbr-new bewirkt, dass der neue und schnellere VBR- Algorythmus verwendet wird. Mit --id3v2-only werden nur id3v2- und keine id3v1- tags geschrieben. Wer nur id3v1 braucht, schreibt hier --id3v1-only, wer beides will, nimmt --add-id3v2. --pad-id3v2 ist einfach nützlich, ich will hier nicht darauf eingehen - im Netz gibt's bestimmt Literatur darüber. Wer ID3V1 nimmt, braucht's AFAIK nicht - hier kann ich aber nix garantieren. Die Parameter --ta "%a" --tt "%t" --tl "%g" --ty "%y" --tn "%n" lassen LAME die Tags schreiben, das beherrscht EAC wohl auch nicht ganz korrekt oder hat es mal nicht korrekt getan. Macht auch deshalb den Haken bei "Füge ID3 Tag hinzu" weg. %s %d sagt LAME, wo Quell- und Zieldatei sind. Wer's noch nicht gemerkt hat: die Variablen mit einem "%" ersetzt EAC durch Werte, die nötig sind, zum Beispiel den von freedb bezogenen Musiktitel. Die Dropdownbox für die Bitrate in EAC wird jetzt ignoriert. Im "Externe Kompression"- Fenster sollte jetzt nur ein Haken bei "Lösche WAV nach der Kompression" sein, und der Punkt vor "Hohe Qualität" - wobei das AFAIK auch egal ist...
Speichert das ganze nun als Profil, damit ihr nicht immer alle Optionen von Hand ändern müsst, wenn ihr den Codec wechselt. Legt nun eine CD ein und rippt sie mit diesem Profil. Wer will, kann die Zahl hinter dem -V in eine Zahl zwischen 0 und 9 ändern, je kleiner die Zahl, desto höher die Qualität.
2. Codec: VorbisVorbis ist bei mir erste Wahl, wenn es darum geht, Musik zu rippen, die ich dann auf meinem PC hören kann. Mit besserer Kompression als MP3 und bei Bitraten ab 128 kbit/s ein klarer Konkurrent zu AAC (nach Tests sogar leicht besser), der noch noch dazu Open Source ist. Bei Vorbis ist der beste Modus nicht CBR oder ABR, sondern das sogenannte Quality- Setting (vergleichbar mit -V 6 bei MP3), das den Encoder Dateien um die 192 kbit/s ausspucken wird. Wer jetzt verwirrt ist, dass die Bitrate bei LAME mit -V 6 niedriger ist als bei Vorbis, dem sei erklärt, dass die LAME- Einstellungen von -V 0 (höchste Qualität) bis -V 9 (niedrigste Qualität), während bei Vorbis die Einstellungen von -q -2 (in getunten Versionen) bis -q ichweißnichwieviel

nach oben ansteigt.
Als Encoder empfehle ich die optimierten aoTuV Builds von oggenc2 (
http://homepage3.nifty.com/blacksword/), die besser komprimieren als die offiziellen Versionen (besonders bei niedrigen Bitraten) und auf Grund von Assembleroptimierungen schneller sind. Mein Ordner für die fertigen Dateien ist "C:\Lieder\OGGs", hier ist wieder die Phantasie des Einzelnen gefragt. Auch wenn die Übergabe der Parameter für Vorbis wohl ganz gut funktioniert, habe ich auch hier den benutzerdefinierten Komprimierer ausgewählt. Die Endung ist ".ogg", die Parameter lauten
Code:
-q 6 -d "%y" -N "%n" -t "%t" -l "%g" -a "%a" -G "%m" %s
-q 6 stellt die Qualität auf 6 (es sind übrigens auch nichtganzzahlige Zahlen erlaubt). Die restlichen Felder lassen oggenc2 die Tags schreiben, %s ist wie immer die zu kodierende Datei. oggenc2 wird automatisch die Datei mit dem für EAC richtigen Namen ausgeben, so dass %d nicht nötig ist (bei LAME weiß ich es übrigens nicht).
3. Codec: WAVPack (Image)Für die ganz audiophilen unter uns und die Menschen, die einfach einen Weg suchen, platzsparende Images von ihren CDs zu machen, ist diese Möglichkeit die beste. Es erstellt eine .wv- datei mit integriertem CUESheet, welche von foobar abgespielt und von [efb]burrrn![/efb] gebrannt werden kann (letzteres nicht ohne vorheriges automatisches dekodieren). Hier ist die Ordnereinstellung fast egal, Dateinamen werden eh ignoriert und EAC fragt vor dem Ripvorgang nochmal nach Dateiname und Pfad. Also sind nur die Kompressionseinstellungen wichtig, es handelt sich wieder um einen Benutzerdefinierten Encoder, natürlich [efb]WAVPack[/efb]. Wählt die wavpack.exe als Programm aus, Dateiendung ist .wv und gebt als Kommandozeile
Code:
-hlm -w "Cuesheet=@*.cue" -w "Album=%g" -w "Year=%y" -w "Genre=%m" %s
an. -hlm bedeutet high quality, low priority und speichert die MD5Hashsumme in der erzeugten Datei - so kann man nachher sicherstellen, dass die .wav, die aus der CD ausgelesen worden ist, gleich der ist, die aus dem Dekomprimieren der .wv- Datei entstanden ist.
-w "Cuesheet=@*.cue" bewirkt, dass das von EAC ausgelesene Cuesheet in die Datei integriert wird (vergewissert euch, dass sich in dem Verzeichnis, in die ihr die .wav und nacher die .wv speichert, keine andere .cue- datei befindet). Die restlichen Felder sollten mittlerweile klar sein...
Klickt nun in EAC auf Aktion -> Kopiere Image und erzeuge Cuesheet -> komprimiert und wählt einen Speicherort aus. Es war noch in EAC beta 3 so, dass EAC die Dateinamen bei Endungen mit mehr oder weniger als 3 Buchstaben bei Images doppelt mit der Endung versehen hat, so dass euer Album nachher Metallica - Load.wv.wv heißen könnte. Das müsst ihr von Hand bereinigen, wenn es euch stört. Die übriggebliebene .cue- datei könnt ihr nach dem Vorgang einfach löschen, da sie in der .wv- datei integriert ist. Fertig ist das verlustlos komprimierte Image.
4. Codec: AAC (iTunes)Besonders technik- ambitionierte iTunes- Nutzer werden sich über die Möglichkeit freuen, iTunes auch aus EAC heraus anzusprechen, und nicht den in iTunes integrierten CD- Ripper nehmen zu müssen. Allerdings bedarf es dafür noch neben dem aufgeblasenen [efb]iTunes[/efb] eines kleinen Zusatzprogramms, nämlich
iTunesEncode. Es wird also nicht direkt iTunes angesprochen, sondern erst iTunesEncode, welches dann iTunes fernsteuert.
Die Einstellungen, mit welchen die Dateien encodet werden sollen, müssen allerdings per Hand in iTunes gemacht werden und können nicht als Parameter übergeben werden. Also erst iTunes starten, Bearbeiten -> Einstellungen -> Erweitert und den Unterreiter "Importieren" auswählen. Importieren mit "AAC- Codierer". Im "Einstellungen"- Dropdown- Menü entweder "Hohe Qualität" für 128 kbit/s auswählen, oder unter "Benutzerdefiniert" eigene Einstellungen vornehmen (Gott, was für ein grottiger Menüaufbau).
Bei EAC wählt ihr nun iTunesEncode.exe als Encoder aus, die Dateiendung ist ".m4a". Tragt als zusätzliche Kommandozeile
Code:
-d -e "AAC Encoder" -a "%a" -l "%g" -t "%t" -g "%m" -y %y -n %n -i %s -o %d
ein (das meiste hab ich auch nur aus der ReadMe, ergibt aber Sinn).
-d sagt, dass die fertig encodeten Lieder aus der Wiedergabeliste von iTunes gelöscht werden sollen, ich habs eingeschaltet, weil ich iTunes sonst eh nicht benutze. Die restlichen Optionen übergeben Tags.
5. Codec: AAC (Nero)Da auch Nero nun seit einiger Zeit kostenlos einen eigenen Kommandozeilen- AAC- Encoder anbietet, kann optional dieser statt die Kombination aus iTunesEncode und iTunes verwendet werden. Allerdings meine ich, dass der iPod diese wohl nicht abspielen kann, wenn Techniken wie Parametric Stereo und Spectral Band Replication (hoffe, dass die Namen stimmen) verwendet werden. Der Fehler liegt hier aber bei Apple, da die AAC- Spezifikation verlangt, dass diese Techniken von jedem Decoder unterstützt werden müssen oder zumindest eine davon - mangels Interesse weiß ich es aber nicht mehr genau.
Zuerst muss natürlich der
Nero AAC Codec. Der Encoder kann die Dateien allerdings nicht selbst taggen, im Downloadpaket von Nero befindet sich dafür ein kleines Programm namens neroAacTag.exe. Es ist auch möglich, dass Nero in nächster Zet eine verfeinerte Version seines Codecs rausbringt, da bei HydrogenAudio von Nero selbst ein Listening Test zu AAC bei niedrigen Bitraten und den dabei verwendeten Techniken gestartet wurde.
Bei den Kompressionseinstellungen von EAC muss nun bei "Externe Kompression" im Dropdown- Menü "Benutzerdefinierter Komprimierer" mit der Dateiendung ".m4a" ausgewählt werden. Das Programm zur Kompression ist nun nicht etwa der Nero AAC Codec oder der Tagger, sondern:
Code:
C:\Windows\system32\cmd.exe
mit den Parametern
Code:
/c Pfad\zu\neroAacEnc.exe -q 0.425 -if %s -of %d && Pfad\zu\neroAacTag.exe %d -meta:artist="%a" -meta:album="%g" -meta:track="%n" -meta:title="%t" -meta:genre="%m" -meta:year="%y"
Das Resultat hieraus ist eine fertige m4a- Datei mit Tags und ca. 128 kbit/s. Der Wert hinter -q bestimmt die Qualität und die Bitrate und gegebenenfalls die zu verwendenden Kompressionstechniken. Anhaltspunkte für die Bitrate sind folgende Qualitäts- Werte:
Code:
15kbit/s - 0.05
32 kbit/s - -q 0.15
63 kbit/s - -q 0.25
99 kbit/s - -q 0.35
146 kbit/s - -q 0.45
197 kbit/s - -q 0.55
248 kbit/s - -q 0.65
299 kbit/s - -q 0.75
350 kbit/s - -q 0.85
401 kbit/s - -q 0.95
Der Rest der Zeile beschäftigt sich mit den Tags.
Wie immer gilt, dass man sich selber nach den neuesten Versionen der Codecs umsehen sollte. Ein guter Startpunkt sind
http://rarewares.org und natürlich die Homepage des jeweiligen Codecs.